Der Umgang mit Social Media und das Vorhandensein von Smartphones haben die Recruiting-Branche verändert: Vor allem die jüngeren Zielgruppen informieren sich online und mobil über Arbeitgeber und Karriere. Wer von diesem Phänomen profitieren möchte, sollte sich professionell aufstellen und weit über den Tellerrand blicken.

Die mobile Internetnutzung nimmt rapide zu. Dazu kommen laufend neue mobile Endgeräte, die mit attraktiven Features ausgestattet sind. Unter dem Strich zeigt sich hier ein gesellschaftliches Phänomen, das in seiner Konsequenz auch Auswirkungen auf die Art und Weise hat, in der Personalverantwortliche mit Interessenten oder Bewerbern kommunizieren. Die mobile Präsenz von Karriereinhalten wird zunehmend als Must-have angesehen.

Dazu müssen Arbeitgeber zunächst sicherstellen, dass sie das Verhalten von Kandidaten besser verstehen, um zeitgemäße, aktuelle und ansprechende Inhalte zu erstellen. Und dann Technologien einsetzen können, die es Suchmaschinen ermöglichen, diese Inhalte zu finden. Es geht nicht mehr um die Frage, ob Unternehmen eine verknüpfte mobile und soziale Recruiting-Strategie einsetzen, sondern darum, wie und wo sie aktiv werden sollten.

Präferenzen der Zielgruppe kennen und nutzen

Einige Arbeitgeber haben möglicherweise Bedenken, etwas zum ersten Mal durchzuführen oder unterliegen dem Eindruck, die effektive Umsetzung einer solchen Strategie wäre zu zeitaufwendig und arbeitsintensiv. Gerade die heutige Generation Y will aber für Unternehmen arbeiten, die das neue technologische Zeitalter zu schätzen wissen. Laut der Google-Studie „Our Mobile Planet Germany 2013“ nutzen alleine in Deutschland 23% aller Smart- phone-Nutzer die mobile Google-Suche für Jobanfragen. Und auch in anderen europäischen Ländern zeigt die Untersuchung nur geringe Abweichungen.

Mobile Strategien entwickeln

Bedauerlicherweise sind sichtbare Beweise für durchdachte mobile Karriereportale bis hin zum „One-Click-Mobile-Apply“ bis heute noch Mangelware. Die alleinige Erkenntnis mobile Anwendungen im Recruiting einsetzen zu wollen, reicht eben nicht aus. Es braucht vielmehr eine durchdachte Strategie, ganz nach dem Motto „wenn mobil, dann auch richtig“.

Allerdings gibt es auch auf den europäischen Märkten inzwischen das eine oder andere Unternehmen, das eine solide Webpräsenz mit einer Bewerberansprache vorweisen kann, die für alle Endgeräte optimiert ist. Diese Unternehmen haben im Vorfeld ihre Hausaufgaben bezüglich Nutzerverhalten und Candidate Experience gemacht. Es gilt nicht nur, einen mobilen Zugriff zu ermöglichen, sondern vielmehr stringent eine intuitive, einfache und schnelle Navigation durch die Karriereinhalte bis hin zum Bewerbungsprozess anzubieten. So schnell Kandidaten auf mobile Karriereseiten kommen, so schnell verlassen sie diese auch wieder, wenn eine schlechte Usability die Nutzung der Seiten erschwert.

User First als Basis der mobilen Strategie

Was ist die wichtigste Komponente, die bei der Konzeption und Entwicklung einer gelungenen mobilen Webpräsenz zu berücksichtigen ist? Das Allerwichtigste und nicht immer augen- scheinlich Offensichtliche ist, den Fokus stets auf den User zu richten, sprich „User First“.

Als Arbeitgeber sollten Sie mit Ihren mobiloptimierten Karriereseiten den Anspruch erfüllen, mit reduziertem und nur wesentlichem Content Ihre Arbeitgebermarke zu präsentieren und den entscheidenden Unterschied zu Wettbewerbern aufzuzeigen. Überlegen Sie sich daher bei der Konzeption der mobilen Präsenz Ihres Unternehmens, wie Ihre Website auf einem mobilen Endgerät aussehen wird. Zwischen mobilfreundlichen Inhalten, die einfach zu verkleinern bzw. vergrößern sind, und für den mobilen Zugriff optimierten Inhalten, die mit dem Daumen bedienbar und auf mobilen Endgeräten genutzt werden können, bestehen himmelweite Unterschiede.

Anwender zeigen wenig Geduld, wenn sie auf das Laden von Inhalten warten müssen und wechseln möglicherweise auf eine andere Website, bevor Ihre Karriereseite vollständig angezeigt wird.

Berücksichtigen Sie beim Erstellen von mobilen Inhalten, insbesondere bei Videos oder grafik- lastigen Texten, das reale Anwendererlebnis. Zwischen dem Anwender und Ihren Inhalten liegen bereits genügend Hindernisse – zum Beispiel schwache Signalstärke, eingeschränkte Bandbreite oder ähnliches. Konzipieren Sie Ihre Website für Endgeräte mit einem niedrigen Leistungsbereich und stellen Sie sicher, dass die Inhalte von vielen unterschiedlichen Mobil- geräten genutzt werden können.

Stellenbeschreibungen sollten nicht mehr als 400 Wörter umfassen, das Wechseln zwischen Seiten sollte auf ein Minimum beschränkt werden. Kurze Videos, prägnante Texte und eine effiziente Botschaftsvermittlung garantieren ein hervorragendes Anwendererlebnis. Noch besser: Bieten Sie Anwendern die Möglichkeit, für sie interessante Inhalte zu kennzeichnen und später erneut abzurufen.

Mobile Endgeräte bieten die beste Erfahrung mit Anwendungen, die auch wirklich funktionieren. Wie bei allen anderen digitalen Plattformen geht es letztendlich darum, Ihren potentiellen Bewerbern mit Ihrem mobilen Produkt zu begeistern. Wie sagt man so schön: „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“.

Denken Sie den gesamten Prozess zu Ende

Ihre Karriereseiten sind bereits mobiloptimiert und folgen einem intuitiven Informationsdesign? Ihre mobilen Karriereseiten liefern auch bei einer Display-Auflösung von 320 x 480 Pixel nur relevanten Content und Sie haben nur technische Features eingebunden, die bei einem mobilen Browser eine gute Candidate Experience ermöglichen? Dann sagen wir „Herzlichen Glückwunsch“. Aber ist Ihr Applicant Tracking System (ATS) ebenso für die mobile Nutzung vorbereitet? Selbst bei mobiloptimierten Karriereseiten wird der Bewerber spätestens im ATS oft nicht stringent bis zum Ziel geführt. Die meisten Stellenausschreibungen sind ohne zu zoomen kaum lesbar und das Ausfüllen der Bewerbungsformulare im ATS ist in der Regel für den Kandidaten schmerzhaft. Eine bessere Einladung zum Abbruch des Bewerbungsprozesses werden Sie kaum aussprechen können.

Dabei ist es doch eigentlich klar, dass der Button „Apply now“ nicht nur der wichtigste Call-to-Action im ATS, sondern auf der ganzen Karriereseite ist. Machen Sie sich also Gedanken, wie Sie Ihr ATS mobiloptimieren können oder welche alternativen Weg Sie einschlagen wollen. Die Software-Lösung TalentBrew von TMP Worldwide liefert für Arbeitgeber unter anderem markengerechte mobile Karriereplattformen oder einfach bedienbare mobile Bewerbungsfunktionalitäten. Nutzen Sie solche Tools und folgen Sie den Best-Practice-Beispielen aus dem E-Commerce, wo das Zusammenspiel zwischen nutzerfreundlichen mobilen Webseiten und effizienter ROI-Generierung (Stichwort: One-Click-to-Conversion) perfektioniert wurde.

Sind Arbeitgeber auf das mobile Recruiting vorbereitet?


Die Mobile-Recruiting-Studie 2013 der Wollmilchsau GmbH bestätigt (leider), dass deutsche Unternehmen weit davon entfernt sind. Die mobile Webpräsenz vieler deutscher Unternehmen, darunter auch viele börsennotierte deutsche Global Player, ist schlichtweg mangel- haft. 93% der Karriere-Webseiten waren laut Studie nicht mobiloptimiert bzw. faktisch nicht auf mobilen Endgeräten nutzbar. Davon waren 7% der untersuchten Karriere-Webseiten gar nicht mobil erreichbar und nur 4% der Unter- nehmen boten alternativ eine mobile Karriere- App an.

Es scheint, als sei bei deutschen HR-Verantwortlichen bisher lediglich das Bewusstsein angekommen, die zukunftsweisenden Nutzerzahlen und das mobile Zielgruppenverhalten berücksichtigen zu müssen, allerdings fehlt es noch an konkreten Impulsen für die Notwendigkeit der zeitnahen und effizienten Umsetzung. Und auch die wenigen Unternehmen, die sich der Herausforderung gestellt und eine mobilfähige Karriere-Webseite umgesetzt haben, haben dabei mitunter noch Luft nach oben gelassen.

Die Außenwirkung ist meist die eines Schnellschusses: ohne zielgerichtete mobile Strategie oder Abstimmung der technischen Kompatibilität mit verschiedenen mobilen Betriebssystemen. Dies sieht man den mobilen Karriereseiten leider auch an, während man durch (teilweise immer noch erforderliches) Zoomen und Scrollen verzweifelt versucht, den Content einzelner Seitenbereiche lesbar zu machen. Das hat zur Folge, dass man primär mit der technischen Funktionalität beschäftigt ist, anstatt den relevanten Content zu konsumieren. Analog zur schlechten mobilen ATS-Nutzerfreundlichkeit wird potentiellen Bewerbern so wieder einmal – bildlich gesprochen – der rote Teppich für eine hohe Absprungrate ausgerollt.

Nur schnell sein reicht nicht

Man kann sagen, dass sowohl die prognostizierten mobilen Nutzerzahlen für die Jobsuche laut Google, comScore & Co als auch die zunehmende Verlagerung des Webtraffic von Desktop und Laptop auf mobile Endgeräte eine eindeutige Sprache sprechen: Es ist sinnvoll und notwendig, in eine solide mobile Recruiting-Lösung zu investieren, und das am Besten bereits gestern. Mobile Recruiting ist längst kein visionäres HR-Buzzword mehr, der War of Talents findet bereits auf allen mobilen Endgeräten statt und wird von Millennials on-the-go (mit)entschieden.

Starten – am besten bestens vorbereitet

Letztlich hat jedes Unternehmen, das im Jahr 2016 noch keine mobil-optimierte Karriere-Website oder gar mobile One-Click-Bewerbung anbietet, immer noch beste Chancen im Wettbewerb um die Talente. Es dürfte vollkommen klar sein, dass Arbeitgeber gut beraten sind, diese Themen nicht auf die lange Bank zu schieben, allerdings sollte „erst nachdenken, Sinn verschiedener Optionen prüfen und dann gut machen“ Vorrang haben vor „schnell machen“.

Regional Vice President

Lars specialises in creating and executing digital and social strategies for TMP’s clients. He explores ways to leverage new technology to improve clients’ employer brand delivery channels. With a passion for emerging tools and technologies, Lars is always looking for innovative ways to enhance both brand articulation and recruitment for a multitude of organisations. You can follow him on Twitter and Instagram.